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Vorschläge zur Sprachförderung in den Grundschulförderklassen

Die Bedingungen für den Spracherwerb von Kindern und somit auch für die Sprachförderung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert: Erfahrungsräume für Kinder verengen sich, innerhalb und außerhalb von Familien wird weniger mit Kindern gesprochen, die direkte Kommunikation, das lebendige Gespräch verliert an Boden gegenüber der virtuellen Konkurrenz, eine gemeinsame Sprache ist nicht mehr selbstverständlich.

In der Grundschulförderklasse sollte Sprachförderung kein isoliertes Sprachtraining sein. Vielmehr sollte sie situativ, in kindgemäßer Form bei allen Aktivitäten und in allen Bildungsbereichen im ganzen Tagesablauf integriert sein.

Die im Folgenden angeführten Fördermöglichkeiten gelten in gleicher Weise für Kinder mit Migrantenhintergrund.

Sprache erleben und empfinden

Sprache entwickelt sich auf der Grundlage persönlichen Erlebens und Empfindens. Für die Förderung der kindlichen Sprache ist deshalb die Motivation und die Lustbetontheit eine wichtige Voraussetzung. Nur wenn die Aktivitäten im Rahmen der Förderung für das Kind interessant sind und ihm Spaß und Freude bereiten, kann der angestrebte Erfahrungsgewinn auch erreicht werden.

Beispiele der Förderung:

  • Fingerspiele;
  • Bewegungslieder;
  • Handgestenspiele;
  • Unsinnverse;
  • Rollenspiele;
  • Handpuppenspiele;
  • Erzählen, Berichten und Mitteilen, Gespräche führen;
  • Gefühle und Wünsche äußern (tägliche Anlässe aufgreifen);
  • Rituale und Regeln für das Miteinander;
  • Bilderbücher, Geschichten und Märchen (Einbezug der Eltern).

Zusammenspiel von Bewegung und Sprache

Sprache und Bewegung stehen bei der kindlichen Entwicklung in engem Zusammenhang. Bewegung bildet das Fundament für die Erfahrung und für den Aufbau körperlicher, personaler und sozialer Strukturen, vor allem aber für die sprachliche und geistige Entwicklung. Kinder bewegen sich, weil es ihnen Freude macht und sie sich körperlich-sinnlich erfahren können. Das geordnete Zusammenwirken aller Wahrnehmungen und  Empfindungen (= sensorische Integration) ist Grundlage und Wurzel für die Entwicklungsmöglichkeit von Sprache und Sprechen. So ist die Koordination von Bewegung und Wahrnehmung auch Grundlage der Koordination sprachlicher Strukturen.

Beispiele der Förderung:

  • Bewegungs- und Kreisspiele (im Zimmer und im Freien);
  • Schaukeln, Klettern, Balancieren, Springen, ...;
  • Psychomotorische Spiele und Übungen (zum Beispiel Körper- und Raumerfahrung);
  • Spiele und Übungen zur Förderung der sensorischen Integration (zum Beispiel Sprechzeichnen);
  • Rhythmische Spiele;
  • Tanz.

Erweiterung des Wortschatzes und Differenzierung der Satzbildung

Je vielfältiger und treffender die Begriffswelt des Kindes ist, je klarer das Kind die Beziehungen der Dinge, Personen und Vorgänge zum Ausdruck bringen kann, desto sicherer kann es seine Erlebnisse und die Gegebenheiten seiner Umwelt erfassen, ordnen, benennen und im Gedächtnis behalten. Die Erweiterung des kindlichen Begriffsrepertoires und die Förderung einer Differenzierung der Satzbildung ist in die vielfältigen Aktivitäten in der Grundschulförderklasse eingebettet. Sprachliches Lernen erfolgt hier in erster Linie durch Analogiebildung und durch das Nachahmen der Sprache der Fachlehrerin.

Beispiele der Förderung:
Folgende Lerninhalte sollten kontinuierlich und aufeinander aufbauend in den Tagesablauf eingebettet
sein:

  • Handlungsbezogenes Erweitern des Wortschatzes, zum Beispiel Benennen von Personen und Tätigkeiten, von Verhaltensweisen und Gegenständen und andere;
  • Handlungsbezogenes Erweitern und Üben der Satzbildung, zum Beispiel sicherer Gebrauch von einfach strukturierten Sätzen, Verknüpfen und Erweitern einfacher Sätze.

Sprachtrainingsprogramme sind nur nützlich, wenn sie die individuelle Entwicklungslage des Kindes berücksichtigen und darauf aufbauen.

Sprachwahrnehmungsleistungen

Grundlegende Voraussetzungen für das Verstehen der Sprache, für richtiges Sprechen und für das spätere Erlernen von Lesen und Schreiben in der Grundschule sind die Fähigkeit des Kindes zur akustischen Unterscheidung von Lauten und zur optischen Unterscheidung von Formen, eine genaue Artikulation sowie motorische Geschicklichkeit, rhythmische und melodische Wahrnehmungsfähigkeiten. In der Grundschulförderklasse müssen diese Fähigkeiten deshalb kontinuierlich und jeweils eingebettet in andere Aktivitäten gefördert werden.

Beispiele der Förderung:

  • Spielerische Übungen zum genauen Hören, zum Beispiel Geräuschquellen orten, Geräuschquellen wieder erkennen, Richtungshören, Klangcharakter erkunden, …;
  • Spielerische Übungen zum genauen Sehen, zum Beispiel Körperteile vergleichen (Form, Größe, …), Mimik, Gestik deuten, Tiere an der imitierten Bewegungsart wieder erkennen, Arbeit mit dem Spiegelbild, …;
  • Spielerische Übungen zum deutlichen Sprechen, zum Beispiel Abzählverse, Silbensprechen, Sprechzeichnen, Frage-Antwort-Spiele, …
  • Spielerische Übungen zur Grob- und Feinmotorik, zum Beispiel Körperteile in der Bewegung erproben (Finger trifft Finger, Figuren bauen …), Gleichgewichtsspiele (Balancieren), Bewegungsspiele zu Musik, Fingerspiele, …;
  • Übungen zur rhythmischen und melodischen Wahrnehmung, zum Beispiel Spiellieder, Tanzlieder, Vertonen von Versen, rhythmische oder melodische Begleitungen erfinden, „Hörspiele“, …

Vertiefende Informationen erhalten Sie in den Handreichungen zur Sprachförderung in der Grundschulförderklasse unter besonderer Berücksichtigung des Migrantenhintergrundes.

 Handreichungen   (PDF 396KB) 

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