Flüchtlingsintegration

Bildungsangebote für Flüchtlinge und Zuwanderer

  • In Kitas können Flüchtlingskinder unter 6 Jahren ankommen.

  • Geflüchtete Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre werden in Vorbereitungsklassen an allgemein bildenden Schulen unterrichtet, bevor sie in Regelklassen übergehen.

  • Schülerinnen und Schüler ab dem 16. Lebensjahr werden in Vorbereitungsklassen an beruflichen Schulen (VABO) unterrichtet.

  • Die neu entwickelte "Potenzialanalyse für Flüchtlinge" zielt darauf ab, die jungen Flüchtlinge besser individuell fördern und ihren weiteren Bildungsweg möglichst passgenau planen zu können.

  • Nach nach dem Erlernen der deutschen Sprache können die Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine duale Ausbildung beginnen oder eine berufliche Vollzeitschule besuchen.

Passende Bildungsangebote für junge Flüchtlinge sind entscheidend, damit sie sich möglichst rasch integrieren und einen guten Platz in unserer Gesellschaft finden können - sei es in der Kita, in der Schule oder im beruflichen Bereich. Dazu hat das Kultusministerium ein mehrstufiges Konzept entwickelt und umfassende Ressourcen bereitgestellt:

Unterricht in Vorbereitungsklassen

An den Schulen erhalten die jungen Menschen zunächst in so genannten VKL-Klassen (Vorbereitungsklassen der allgemein bildenden Schulen) und VABO-Klassen (Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse der beruflichen Schulen) eine intensive Sprachförderung und werden auf den Wechsel in eine reguläre Klasse vorbereitet. Über 1.160 zusätzliche Lehrerstellen stehen für die Arbeit in den Vorbereitungsklassen aktuell zur Verfügung, und auch die Fortbildungsangebote wurden massiv erweitert: Seit 2011 wurden u.a. im Sprachförderbereich 160 Lehrerinnen und Lehrer als Multiplikatoren ausgebildet, für 2016 ist die Qualifizierung von 60 weiteren Multiplikatoren vorgesehen.

Auch die Schulpsychologischen Beratungsstellen bieten verstärkt Fortbildung und themenspezifische Supervisionsgruppen für Lehrkräfte zum Umgang mit belasteten Kindern in der Schule an: Die Zahl der Fortbildungsplätze wurde bereits von 1.200 im Schuljahr 2014/2015 auf über 2.000 im Schuljahr 2015/2016 erhöht und wird weiter bedarfsgerecht ausgebaut. Auch Erzieherinnen und Erzieher erhalten bei der Integration der Flüchtlingskinder im Kita-Bereich verschiedene Unterstützungsangebote - beispielsweise in Form von zusätzlichen Supervisions- und Coaching-Kursen.

Potenzialanalyse / Integration in eine Regelklasse

Das neu entwickelte und in einer erprobten Erstversion vorliegende Verfahren 2P wird seit Oktober 2016 in Baden-Württemberg flächendeckend, vorrangig in VKL- und VABO-Klassen eingesetzt. 2P steht für Potenzial & Perspektiven. Ziel des Verfahrens ist, das ganz individuelle Potenzial jedes Einzelnen sichtbar zu machen und für den weiteren schulischen und beruflichen Lebensweg zu entfalten – und damit Perspektiven aufzuzeigen.

Die Potenzialanalyse ist ein webbasiertes Verfahren, das die Lehrkraft dabei unterstützt, neu zugewanderten Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren geeignete Lernangebote zu machen und damit eine individuelle Förderung zu erleichtern. Das Gesamtverfahren besteht im Endausbau aus sieben Bausteinen und wird kulturfair und mit spracharmen Aufgabenstellungen entwickelt, so dass Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen ihre Potenziale im fachlichen und überfachlichem Bereich zeigen können.

Mit der Potenzialanalyse übernimmt Baden-Württemberg eine bundesweite Vorreiterrolle. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit zwei Millionen Euro gefördert und wird noch bis Ende 2018 weiterentwickelt. Weitere Informationen finden Sie auf www.2p-bw.de.

Für zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene, denen der Übergang in eine Regelklasse an beruflichen Schulen gelingt, können die beruflichen Schulen seit dem Schuljahr 2016/17 zusätzliche Sprachförderung anbieten. Dies ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass es den jungen Zuwanderern gelingt, die berufliche Ausbildung oder den beruflichen Bildungsgang erfolgreich abzuschließen.

Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge

Das „Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge ohne oder mit geringen Sprach- und Schreibkenntnissen“ (BEF Alpha) im Alter von 21 bis 35 Jahren verbessert die Grundlagen der Teilnehmer für eine gute Integration erheblich. Die von allgemeinen, beruflichen und kirchlichen Weiterbildungsträger veranstalteten Kurse laufen über 35 Kurswochen mit 980 Unterrichtseinheiten sowie fünf Wochen Praktikum. Sie verknüpfen die drei Komponenten Sprache (Alphabetisierung), Berufsorientierung (zusätzlich zu Praktika) und Kultur/Alltagswissen/politische Grundbildung miteinander. Die Kurse umfassen im Schnitt 28 Wochenstunden. Ziel ist die Vorbereitung auf einen Übergang in weitere Bildungsgänge, eine Ausbildung oder den Arbeitsmarkt.

Die erste Staffel von BEF Alpha wird seit September/Oktober 2016 bis Juli 2017 an zwölf Standorten für rund 200 Teilnehmer umgesetzt. Sie stammen in der Regel aus unterschiedlichen Herkunftsländern wie Syrien, Afghanistan, Somali, Eritrea oder Pakistan. Eine zweite Staffel an 15 Standorten startet im März/April 2017. Die Finanzierung von BEF Alpha erfolgt nach der Bildungsketten-Vereinbarung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zum Jahr 2020.

Weiterführende Links

Übersicht der Förderprogramme und Maßnahmen in Baden-Württemberg

Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

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