Bildungspläne 2016

Rahmensetzungen / Neuerungen


Verhältnis von Kern- und Schulcurriculum

Das Verhältnis von Kern- und Schulcurriculum entspricht 3/4 zu 1/4. Grundlage dieser Berechnung ist eine Unterrichtswochenzahl von 36 Wochen im Schuljahr.

Das Kerncurriculum ist die Summe der verbindlichen Inhalte der Bildungsstandards und kann demnach in 27 Schulwochen bearbeitet werden. Das Schulcurriculum dient der Vertiefung und Erweiterung der inhaltlichen Vorgaben des Bildungsplans und wird von der Schule selbst erarbeitet.

Die Kontingentstundentafeln

Die Kontingentstundentafeln legen fest, welche Fächer unterrichtet werden sollen und bestimmen die Stundenzahl, mit welcher das Fach im jeweiligen Bildungsgang unterrichtet wird. Die Kontingentstundentafeln bildeten eine Grundlage bei der Erstellung der Bildungspläne durch die Bildungsplankommissionen.

Kontingentstundentafel Grundschule
Kontingentstundentafel Werkrealschule
Kontingentstundentafel Realschule
Kontingentstundentafel Gemeinschaftsschule
Kontingentstundentafel Gymnasium

Abschlussbezogene Niveaustufen im gemeinsamen Plan der Sekundarstufe I

Es wird zwischen drei abschlussbezogenen Niveaustufen unterschieden:

  1. Das grundlegende (G-) Niveau führt zum Hauptschulabschluss bzw. mit einer Phase der Vertiefung zum Werkrealschulabschluss,
  2. das mittlere (M-) Niveau führt zum Realschulabschluss der Realschule und der Gemeinschaftsschule.
  3. Da die Gemeinschaftsschule auch das gymnasiale Niveau anbietet und zum Abitur führen kann, wird auch ein erweitertes (E-) Niveau ausgewiesen.

Die Anspruchsniveaus unterscheiden sich durch ihre unterschiedliche Durchdringungstiefe, den jeweiligen Komplexitätsgrad oder den Umfang eines Themenbereichs. In der Orientierungsstufe fallen die Unterschiede geringer aus, während die Niveaustufen der Standards für die höheren Klassen in spezifischer Weise auf die verschiedenen Abschlüsse vorbereiten und sich daher deutlicher unterscheiden.

Verankerung von Leitperspektiven

In den Bildungsplänen aller Schularten wurden Leitperspektiven verankert, welche die Schulen bei der Wahrnehmung ihres Bildungsauftrags unterstützen und die Herausforderungen der modernen Welt berücksichtigen. Der Orientierung an den Werten der christlich-abendländischen Kultur wurde im Rahmen der Bildungsplanreform umfassend Rechnung getragen. Die Reform fußt auf den diesbezüglichen Vorgaben des Grundgesetzes und der Landesverfassung Baden-Württembergs.

Die Leitperspektiven bezeichnen handlungsleitende Themen, die nicht einem einzigen Fach zugeordnet werden, sondern spiralcurricular verankert sind und übergreifend in verschiedenen Fächern behandelt werden sollen. Es wird zwischen allgemeinen und themenspezifischen Leitperspektiven unterschieden.

Während die allgemeinen Leitperspektiven auf die Stärkung der Persönlichkeit, Teilhabe und Gemeinschaftsbildung abzielen, sind die themenspezifischen Leitperspektiven auf die Orientierung der Schülerinnen und Schüler in der modernen Lebenswelt ausgerichtet.

Allgemeine Leitperspektiven:

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt
  • Prävention und Gesundheitsförderung

Themenspezifische Leitperspektiven:

  • Berufliche Orientierung
  • Medienbildung
  • Verbraucherbildung

Fächerverbünde

Die neuen Bildungspläne sollen die fachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler umfangreich stärken und damit die Fachlichkeit als Voraussetzung für interdisziplinäres Lernen sicherstellen. Der Ansatz des vernetzten fächerübergreifenden Lernens wird dabei grundsätzlich weiterverfolgt und mithilfe einer detaillierten Verweisstruktur verdeutlicht.

Schulartspezifische Fächerverbünde, die die Durchlässigkeit zwischen den Schularten in der Sekundarstufe I behindern, wurden aufgelöst und in die Einzelfächer zurückgeführt.

Ebenfalls aufgelöst wurde der Fächerverbund "Mensch-Natur-Kultur" der Grundschule. Ab Gültigkeit des weiterentwickelten Bildungsplans wird es drei Fächer geben - Sachunterricht, Kunst / Werken und Musik. Die Fachlichkeit wird damit gestärkt.

Die Vernetzung als besonderes Merkmal der Grundschule wird im Bildungsplan auch künftig berücksichtigt; der ganzheitliche, an der kindlichen Entwicklung orientierte Ansatz der Grundschule kommt weiterhin zum Tragen.

Mit Inkrafttreten des Bildungsplans 2016 zum Schuljahr 2016/2017 beträgt das gemeinsame Zeitvolumen für die Fächer Musik und Kunst / Werken in den Klassen 1 - 4 der Grundschule 13 Stunden. Die vorgesehenen Richtwerte in der Kontingentstundentafel für Musik (sechs Stunden) und für Kunst / Werken (sieben Stunden) dienen der Orientierung. Die konkrete Verteilung der Stunden liegt in der Verantwortung der Schule.

Um der Schule eine Profilierung zu ermöglichen, sind maßvolle Abweichungen von den Richtwerten möglich. Die in der Stundentafel ausgewiesenen Stunden für die beiden Fächer waren Grundlage für die Arbeit der Bildungsplankommissionen. Bei der Verteilung der Stunden muss gesichert sein, dass die im Bildungsplan 2016 vorgesehenen Kompetenzen für die Fächer Musik und Kunst / Werken erreicht werden können. Diese Regelung gilt ausnahmslos für alle Grundschulen.

Fremdsprachenbeginn

Im Fremdsprachenunterricht der Grundschule wird an der Rheinschiene Französisch unterrichtet, in den anderen Landesteilen Englisch. Es besteht weiterhin die Regelung, dass Schülerinnen und Schüler, die als Fremdsprache in der Grundschule Französisch hatten, im Gymnasium sowie an Realschulen nicht an diese Fremdsprache gebunden sind. An der Gemeinschaftsschule ist die erste Fremdsprache (Pflichtfremdsprache) Englisch.

Die zweite Fremdsprache beginnt mit dem Inkrafttreten der neuen Bildungspläne im Gymnasium, in der Realschule und in der Gemeinschaftsschule einheitlich in Klasse 6. In der Gemeinschaftsschule wird als zweite Fremdsprache Französisch (Wahlpflichtfach) angeboten.

Die erste Pflichtfremdsprache im Gymnasium ist diejenige, die dort in Klasse 5 beginnt und entsprechend der einschlägigen KMK-Vereinbarung mit 22 Jahreswochenstunden in der Sekundarstufe I (Klasse 5-10) ausgestattet ist. Die Entscheidung, welche der Fremdsprachen Englisch, Latein oder Französisch am Gymnasium als 1. bzw. 2. Pflichtfremdsprache ausgewiesen wird, liegt in der Verantwortung der Schule.
Ausnahmen bilden die altsprachlichen Gymnasien und die AbiBac-Schulen, die weiterhin parallel mit zwei Fremdsprachen in der 5. Klasse beginnen können.

Fächer

Aufbaukurs Informatik

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung in vielen gesellschaftlichen Bereichen ist die Verankerung von Informatik in den Bildungsplänen ein wichtiges Anliegen der Landesregierung.
Im Schuljahr 2017/2018 stehen hierfür im vom Landtag verabschiedeten Haushalt 60 Deputate zur Verfügung. Der Ministerrat hat entschieden, mit diesen Ressourcen im Schuljahr 2017/2018 an den allgemein bildenden Gymnasien mit einem Aufbaukurs Informatik in Klasse 7 im Umfang von einer Wochenstunde zu starten.

Ausgehend vom bereits verankerten Basiskurs Medienbildung in Klasse 5 aller auf der Grundschule aufbauenden Schularten, der Inhalte der bisherigen Informationstechnischen Grundbildung (v. a. der Klassenstufen 5/6) enthält, werden im Aufbaukurs Informatik weitere und vertiefende Kompetenzen, z. B. zur Kodierung von Daten, zu Sicherheit und Datenschutz sowie Grundlagen von Algorithmen, vermittelt.

Weitere Unterrichtsangebote zur Informatik sollen sukzessive folgen.

Wahlpflichtfach "Alltagskultur, Ernährung, Soziales"

Das Wahlpflichtfach "Alltagskultur, Ernährung, Soziales" (AES) für die Werkrealschulen/Hauptschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen beginnt in Klassenstufe 7. Dieses Fach ist eine Weiterentwicklung der bisherigen Wahlpflichtfächer "Mensch und Umwelt" in den Realschulen, "Gesundheit und Soziales" in den Werkrealschulen/Hauptschulen und des Fächerverbunds "Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit" der Werkrealschule. AES umfasst Themenbereiche, die den Schülerinnen und Schülern in ihrer Lebenswelt begegnen: Esskultur, Konsum, Mode, Design, Wohnen, Werbung, Medien, Gesundheit und Zusammenleben in einer Gesellschaft vielfältiger Lebensstile und Identitäten.

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Einstellungen und Wertehaltungen für eine zukunftsorientierte, verantwortungsbewusste und gesundheitsförderliche Lebensgestaltung. Der sachgerechte und praktische Umgang mit Nahrungsmitteln, die Planung und Zubereitung von Mahlzeiten im Alltag sowie die Gebrauchswerterhaltung im Textilbereich nehmen dabei einen angemessenen Umfang im Fach ein.

Fach "Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung"

Das Fach "Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung", für die Werkrealschulen/Hauptschulen und Realschulen ab Klassenstufe 7, für Gemeinschaftsschulen ab Klassenstufe 7 oder 8 bzw. für die Gymnasien ab Klassenstufe 8, stärkt die ökonomische Bildung der Schülerinnen und Schüler und fördert gezielt den Berufs- und Studienorientierungsprozess. Die Berufs- und Studienorientierung kann und soll jedoch nicht ausschließlich diesem Fach zugeordnet werden. Deshalb ist diese grundsätzlich im Rahmen der Leitperspektive "Berufliche Orientierung" verankert.

Fächerverbund "Biologie, Naturphänomene und Technik" in den Klassen 5 und 6

Der Fächerverbund "Biologie, Naturphänomene und Technik" (BNT) für die Klassen 5 und 6 aller auf die Grundschule aufbauenden allgemein bildenden Schularten enthält neben Schwerpunktthemen der Biologie auch chemische, physikalische und technische Inhalte. Dabei nimmt der Fächerverbund eine Brückenfunktion ein zwischen dem Sachunterricht der Grundschule, der ebenfalls biologische, physikalische, chemische und technische Aspekte beinhaltet, und den später einsetzenden naturwissenschaftlichen Einzelfächern in der Sekundarstufe I.
Neben den integrativen Themenfeldern, die eine motivierende und kindgerechte Heranführung an die später weiterzuführenden Fachdisziplinen ermöglichen, sind für alle Schularten im Bereich Biologie auch fachspezifische Themenfelder eingebunden. Für die Werkrealschule/Hauptschule, Realschule und Gemeinschaftsschule sind zusätzlich eigene Themenfelder für Technik vorgesehen.

Der fachliche Anteil der Einzeldisziplinen verteilt sich gemäß folgendem Schlüssel:

Schularten

Summe der      Kontingentstunden

Anteil
Biologie

Anteil
Physik

Anteil Chemie

Anteil Technik

Werkrealschule

8

4

1

1

2

Realschule

8

4

1

1

2

Gemeinschaftsschule

7

4

1

1

1

Gymnasium

6

4

1

1

Die pädagogische Umsetzung der Vorgaben des Fächerverbunds kann unterschiedlich erfolgen und obliegt der Verantwortung und Gestaltungsfreiheit der jeweiligen Schule. Das Kultusministerium weist darauf hin, dass die Schule in jedem Fall sicherstellen muss, dass die entsprechenden Bildungsstandards am Ende der jeweiligen Standardstufe erreicht werden.

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