Was brauchen kleine Flüchtlingskinder? Diese Frage wurde auf dem Podium diskutiert (v.l.n.r.: V. Lazaridis, Dr. S. Faas, Dr. D. Elschenbroich, Moderator Prof. S. Ferdinand, Staatssekretärin Marion v. Wartenberg, Dr. U. Freundlieb, C. Zenner-Siegmann)

05.05.2015

Fachtag in Mannheim: Flüchtlingskinder im Fokus

Staatssekretärin Marion v. Wartenberg: Flüchtlingskinder in erster Linie als Kinder sehen und damit die Kinder in den Fokus rücken

„Flüchtlingskinder in erster Linie als Kinder sehen und damit die Kinder in den Fokus rücken“ fordert Staatssekretärin v. Wartenberg anlässlich des Fachtags „Hand in Hand – kleine Flüchtlingskinder und ihre Familien begleiten“ am heutigen Dienstag (5. Mai 2015) in Mannheim.

Mit dem Zustrom an Flüchtlingen steigt auch die Zahl der Kinder, die mit ihren Familien in Baden-Württemberg Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchen. Deshalb nimmt das Kultusministerium mit dem Fachtag insbesondere die Zielgruppe Flüchtlingskinder unter sechs Jahren und ihre Familien in den Blick. „Mir ist wichtig, dass wir die kleinen Kinder als eigenständige Zielgruppe wahrnehmen und dass ihre Bedürfnisse beim Thema Flüchtlinge stärker beachtet werden“, sagte die Staatssekretärin in ihrer Eröffnungsrede im Kongresszentrum Rosengarten. Der Fachtag soll gute Beispiele der Integration öffentlich machen und die verschiedenen Akteure vor Ort vernetzen.

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom Februar 2015 ist die Anzahl der Flüchtlinge in Baden-Württemberg auf rund 40.000 gestiegen. Darunter sind 20 Prozent Kinder und Jugendlichen und etwa 3.200 kleine Kinder bis sechs Jahren. Die förderliche Begleitung und Unterstützung dieser Kinder stellt alle Beteiligten im Land vor neue Herausforderungen. Um die Kommunen und Kindertageseinrichtungen bei dieser Aufgabe stärker zu unterstützen, stellt die Landesregierung in den Jahren 2015 und 2016 je 1,2 Millionen Euro zusätzlich für die Begleitung und Förderung von Kleinkindern aus Flüchtlingsfamilien zur Verfügung.

Sprachförderung wird ausgebaut und Eltern-Kind-Programme gefördert

„Ein Stück Normalität zurückgewinnen. Die Sprache lernen. Alltag haben. Das wollen wir für die kleinen Kinder“, betont Staatssekretärin v. Wartenberg. Wegen des Anstiegs der Zahl der Flüchtlingskinder hat der Landtag im Nachtraghaushalt, der am 29. April 2015 beschlossen wurde, auch weitere Mittel für kleine Flüchtlingskinder und ihre Familien bereit gestellt. Damit wurde der aktuellen Situation Rechnung getragen.

Für Sprachförderung und Eltern-Kind-Programme speziell für Flüchtlingskinder und ihre Familien stellt das Land 2015 zusätzliche 800.000 Euro und im Jahr 2016 zusätzliche 1,6 Millionen Euro bereit. „Die Kitas können somit kleine Sprachfördergruppen mit maximal vier Kindern bilden. Das erleichtert die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher, aber vor allem profitieren die Kinder von der intensiveren Zuwendung“, so v. Wartenberg. Die umsichtige Einbeziehung der Eltern sei dabei besonders wichtig.

Die zusätzlichen Mittel sollen deshalb auch genutzt werden, um die Eltern nach und nach aktiv in den Kita-Alltag einzubeziehen. Dies geschieht etwa bei gemeinsamen Spielenachmittagen mit Kindern, Müttern und Vätern, durch den Aufbau von Sprachfördernetzen oder speziell in auf den Kindergartenalltag ausgerichteten Sprachangeboten. Dabei sollen auch Coachingsmöglichkeiten von Kitas direkt in der Kita möglich werden. Die genannten zusätzlichen Fördermaßnahmen sind erste Ergebnisse eines Runden Tisches, den Staatssekretärin Marion v. Wartenberg ins Leben gerufen hat. Der Runde Tisch ist Ende Januar 2015 das erste Mal zusammengetreten, um gemeinsam Ansätze und Unterstützungsmöglichkeiten speziell für den frühkindlichen Bereich zu beraten.

Pädagogische Herausforderungen gemeinsam angehen

„Es gilt, die Kinder im Lachen und Weinen zu verstehen. Nur so wird es möglich, zu den Kindern, die oft Schlimmes erleben mussten, einen Zugang zu finden und Vertrauen aufzubauen“, so Marion v. Wartenberg. Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe für Kitas und für Kinder- und Familienzentren. „Vertrauen als Ressource“ – der Erziehungswissenschaftler Dr. Stefan Faas von der Eberhard Karls Universität Tübingen greift in seinem Impulsreferat den Aufbau von guten Beziehungen pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu Flüchtlingskindern und ihren Familien auf.

Ein weiterer Programmpunkt am Vormittag ist eine Podiumsdiskussion, die sich der Frage widmet, wie die Integration von Flüchtlingskindern und der Zugang zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung verbessert werden kann. Auf dem Podium diskutieren Staatssekretärin Marion v. Wartenberg, die Mannheimer Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb, die Kindheitsforscherin Dr. Donata Elschenbroich, Dr. Stefan Faas, Christiane Zenner-Siegmann vom Mütterforum sowie Vittorio Lazaridis, Schulpräsident im Regierungspräsidium Karlsruhe.

Gute Beispiele öffentlich machen und multiplizieren

Nachmittags haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich in Werkstattgesprächen über gute Beispiele, Ansätze und Lösungsmöglichkeiten zu informieren und auszutauschen. Das Integrationsministerium informiert dabei über die aktuelle Situation in den Landeserstaufnahmestellen. Das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren gibt Einblicke in das Projekt „Lokale Bündnisse für Flüchtlingshilfe“, für das die Landesregierung zwei Millionen Euro bereitstellt und das helfen soll, das Engagement für Flüchtlinge landesweit besser zu strukturieren und zu vernetzen. Die Stadt Mannheim stellt ihre Ansätze vor, wie Flüchtlingskinder und ihre Familien in Kitas begleitet werden können.

Gute Beispiele von Ehrenamtlichen, wie Skateboarding mit Flüchtlingskindern, künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten und die Vernetzungsarbeit ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit der Stuttgarter Bürgerstiftung sollen Mut machen, dem inneren Antrieb helfen zu wollen, umzusetzen, öffentlich zu machen und zu multiplizieren. „Das Engagement Ehrenamtlicher ist unverzichtbar und hoch anzuerkennen“, lobt Staatssekretärin Marion v. Wartenberg.

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