26.02.2016

Bundesverdienstkreuz am Bande für Dr. Joel Berger

Kultusminister Stoch: Joel Bergers unermüdlicher Tatkraft ist es zu verdanken, dass aus einem Nebeneinander von Christen und Juden ein Miteinander geworden ist

Dr. Joel Berger wurde heute (26. Februar) mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Kultusminister Andreas Stoch würdigte Bergers herausragenden Einsatz für die Integration, die Verständigung und den interreligiösen Dialog. „Joel Bergers unermüdlicher Tatkraft ist es zu verdanken, dass aus einem Nebeneinander von Christen und Juden ein Miteinander geworden ist“, betonte Stoch in seiner Laudatio auf den Alt-Landesrabbiner im Festsaal der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg in Stuttgart. Diese Auszeichnung stehe, so der Minister, auch für den großartigen, schlagfertigen, sprachmächtigen und humorvollen Menschen Joel Berger – für einen Mann mit Profil, der die Menschen beeindrucke.

In seiner Laudatio skizzierte der Minister Joel Bergers Lebensgeschichte, die reich an spannenden und interessanten Episoden, aber auch an dramatischen Erfahrungen ist. 1937 in Budapest geboren und aufgewachsen musste er die Verfolgung und den Völkermord an den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus miterleben. Im Jahre 1955 legte Berger sein Abitur ab. Aufgrund einer Gefängnisstrafe in Folge des Ungarnaufstands, konnte er jedoch erst 1957 mit dem Studium der Geschichte und Pädagogik beginnen, um sein Lehrerdiplom für Gymnasien zu erwerben. Parallel besuchte er das Rabbinerseminar in Budapest und schloss mit dem orthodoxen Rabbinerdiplom ab.

1968 emigrierte Dr. Joel Berger in den Westen und wirkte als Rabbiner unter anderem in Düsseldorf, Göteborg, Bremen und ab Ende der 1970er-Jahre in Stuttgart. Von 1985 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2002 war Joel Berger Landesrabbiner für Württemberg. Zeitweise war er Sprecher der Rabbinerkonferenz Deutschland und Mitglied im Schiedsgericht des Zentralrats der Juden. In seine fast 20-jährige Amtszeit als Landesrabbiner fiel auch die Zuwanderung vieler Juden aus Osteuropa. „Die Integration dieser Menschen hat Joel Berger als große Aufgabe gesehen und alles daran gesetzt, dass diese gelingt. Heute gehören die osteuropäischen Juden ganz selbstverständlich dazu. Dies ist zu großen Teilen seinem Engagement zu verdanken“, sagte Kultusminister Stoch. Aufgrund Bergers Einsatz für den jüdischen Religionsunterricht, ist dieser mittlerweile an den öffentlichen Schulen des Landes fest etabliert und reguläres Unterrichtsfach.

Seit seiner Zeit als Landesrabbiner bis heute engagiert sich Joel Berger für die Erforschung der jüdischen Geschichte Baden-Württembergs. So ist sein Name eng mit den Jüdischen Studien am Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen verbunden. Dort lehrt Berger seit 1986 und wurde dafür von der Universität mit dem Dr. h.c. geehrt. Außerdem ist er seit 2002 Mitarbeiter im Haus der Geschichte Baden-Württemberg und berät und begleitet dort Projekte zu Fragen der deutsch-jüdischen Geschichte.

Bis heute wirkt Dr. Joel Berger als Kurator bei den jährlich im November in Stuttgart stattfindenden Jüdischen Kulturwochen der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg mit. Die Veranstaltungsreihe vermittelt Einblicke in jüdisches Leben, Kultur und Traditionen und trägt somit zur Verständigung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Bürgerinnen und Bürgern in Stuttgart und weit darüber hinaus bei.

Dr. Joel Berger war lange Jahre Mitglied im Rundfunkrat des SWR und vertritt die Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden-Württembergs seit 2011 im Medienrat der Landesanstalt für Kommunikation.

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