28.03.2017

Schüler zeigen kultiviertes Streiten

Vier Schüler qualifizieren sich beim Landesfinale in Baden-Württemberg erfolgreich für die Bundesebene des Wettbewerbs Jugend debattiert

Richtiges Debattieren will gelernt sein – das bestätigen in fragwürdiger Hinsicht nicht nur Pegida und Donald Trump. Was es heißt, zu debattieren, zeigten die Gewinner des Landesfinale Jugend debattiert in Baden-Württemberg, die am Freitag, 24. März 2017, im Plenarsaal des Landtags zum Beispiel der Frage widmeten, ob ausländische Studierende aus Nicht-EU-Ländern in Baden-Württemberg zukünftig Studiengebühren bezahlen sollen. Jugend debattiert heißt das große Schulprojekt mit Unterrichtsreihe und Wettbewerb, zu dessen Bundesfinale sich die vier Jugendlichen, drei junge Rednerinnen und ein junger Redner, jetzt qualifiziert haben.

„Genau zuhören und andere Meinungen respektieren sind wichtige Fähigkeiten in Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft. Im Debattentraining kann das jeder lernen. Es verbessert nicht nur kommunikative Fähigkeiten, sondern stärkt auch die Persönlichkeit“, zeigt sich Frank J.-Weise, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung, vom Projekt überzeugt, das der Bundespräsident vor 16 Jahren initiierte.

Dabei helfen klare Regeln: Pro Debatte vier Schüler, eine Streitfrage, 24 Minuten Dauer. Inhalte und Argumente zum Thema müssen sitzen, denn wer Pro oder Contra vertritt, wird erst kurz vor dem Wettbewerb ausgelost.

Annika Portuné vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Weinheim, die den ersten Platz in der Altersgruppe I belegte, und Jule Kessler vom Humboldt-Gymnasium in Ulm, die Zweitplatzierte in dieser Altersgruppe, konnten die Jury überzeugen. Sie argumentierten eindrucksvoll zur Frage, ob in Baden-Württemberg ein „TÜV“ für Schulcaterer eingeführt werden sollte. In der Altersgruppe II konnten die erstplattzierte Gabriela Packeiser, die das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pfullingen besucht, und David Sander vom Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart die Jury in von sich überzeugen.

Rund 20.000 Schüler in 144 Schulen haben sich im laufenden Schuljahr in Baden-Württemberg im Rahmen einer Unterrichtsreihe an Jugend debattiert beteiligt. Wettbewerbe fanden zuvor bereits auf Schul- und Regionalebene statt. Die beiden Debattensieger und die jeweils Zweitplatzierten vertreten Baden-Württemberg zunächst bei der Qualifikation zur Bundesebene in Berlin. Dort werden sich am 17. Juni 2017 dann die acht besten Debattanten aus ganz Deutschland im Bundesfinale gegenüber stehen.

Als Preis für ihren heutigen Erfolg erhalten alle vier Sieger ein fünftägiges intensives Rhetorik-Training, das sie gemeinsam mit den Siegern der anderen Länder auf die Bundesebene des Wettbewerbs vorbereitet.

Die Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, Muhterem Aras, die Schirmherrin des Wettbewerbs auf Landesebene ist und die beiden spannenden Debatten am Freitag verfolgte, machte deutlich, welche Bedeutung sie der Fähigkeit zur Debatte und damit dem Wettbewerb Jugend debattiert beimisst: „Es ist großartig, wie fair und respektvoll ihr miteinander umgeht und wie ernsthaft ihr euch mit den Argumenten der anderen auseinandersetzt. Da können wir Politikerinnen und Politiker eine Menge von euch lernen.“ Aras dankte den Lehrerinnen und Lehrern, die den Wettbewerb jedes Jahr durch ihr Engagement möglich machten und den Schülerinnen und Schülern ein so wichtiges demokratisches Handwerkszeug mitgeben würden: „Das Erlernen einer Debattenkultur, getragen von Wertschätzung und Respekt, von guten Argumenten für die eigene Position und von der Freude an der konstruktiven Auseinandersetzung um den besten Weg.“ Die Landtagspräsidentin dankte auch der Robert-Bosch-Stiftung und der Hertie-Stiftung dafür, dass sie den Wettbewerb fördern und umsetzen.

Auch Volker Schebesta MdL, Staatssekretär im Kultusministerium, wies auf die die Bedeutung des Wettbewerbs hin: "Jugend debattiert leistet in Baden-Württemberg einen wichtigen Beitrag für die Erziehung zur Demokratie, und zwar für alle Formen weiterführender Schulen. Dies geschieht vor allem im Unterricht. Unsere Schülerinnen und Schüler lernen hier, sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen intensiv auseinanderzusetzen, aber auch selbst das Wort zu ergreifen."

Mit Jugend debattiert sollen Schülerinnen und Schüler aller Schularten ab Klasse 5 ermutigt werden, durch Debattentraining ihre sprachliche, politische und persönliche Bildung zu verbessern.

Jugend debattiert ist eine Initiative des Bundespräsidenten und steht unter seiner Schirmherrschaft. Partner sind die Hertie-Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und die Heinz Nixdorf Stiftung sowie die Kultusministerkonferenz, die Kultusministerien und die Parlamente der Länder.

Die Finalisten im Landeswettbewerb Jugend debattiert in Baden-Württemberg 2017:

Debatte Altersgruppe 1 (Klassen 8 bis 10):

1. Platz: Annika Portuné, Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Weinheim

2. Platz: Jule Kessler, Humboldt-Gymnasium, Ulm

3. Platz: Lilli Hermann , St. Ursula Gymnasium, Freiburg

4. Platz: Julia Gerlach, Lise-Meitner-Gymnasium, Remseck am Neckar.

Debatte Altersgruppe 2 (Jahrgangsstufen 11 bis 13):

1. Platz: Gabriela Packeiser, Friedrich-Schiller-Gymnasium, Pfullingen

2. Platz: David Sander, Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, Stuttgart

3. Platz: Lisa Vetter, Otto-Hahn-Gymnasium, Böblingen

4. Platz: Sarah Grimm, Humboldt-Gymnasium, Karlsruhe

Kontakt

Melanie Stumpf, stumpf@seminar-stuttgart.de, Tel.: 07034/942569
Landesbeauftragte für Jugend Debattiert in Baden-Württemberg

www.jugend-debattiert.de
www.facebook.com/Jugenddebattiert.de

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