24.04.2014

Landesregierung optimiert Prozess zur Erarbeitung und Umsetzung der neuen Bildungspläne: Qualität geht vor Schnelligkeit

Kultusminister Andreas Stoch MdL: "Wir wollen die Lehrkräfte noch stärker einbeziehen, damit die neuen Bildungspläne an den Schulen gut umgesetzt werden können. Die Rückmeldungen aus den Erprobungsschulen haben uns gezeigt, wie wichtig ein solcher Schritt ist. Dafür nehmen wir auch einen längeren Reformprozess in Kauf."

Die Landesregierung will die Lehrerinnen und Lehrer bei der Entstehung der neuen Bildungspläne durch einen Ausbau der Erprobungsphase intensiver einbeziehen. Ein systematisches Erprobungskonzept soll neue Maßstäbe setzen. Auch bei der Einführung der Bildungspläne an den Schulen sollen die Pädagogen durch Fortbildungen stärker unterstützt werden als bisher geplant. Diese Verbesserungen resultieren aus den jetzt ausgewerteten Vorschlägen und Stellungnahmen des Beirats für den Bildungsplan, des Landesschul- und Landeselternbeirats sowie vor allem der rund 60 Erprobungsschulen im bisherigen Verfahren. "Wir wollen die Lehrkräfte noch stärker einbeziehen, damit die neuen Bildungspläne an den Schulen gut umgesetzt werden können. Die Rückmeldungen aus den Erprobungsschulen haben uns gezeigt, wie wichtig ein solcher Schritt ist", erklärte Kultusminister Andreas Stoch.

Der Prozess zur Einführung der Bildungspläne für die Grundschule und die Sekundarstufe I wird deshalb um ein Jahr verlängert. Sie kommen damit zeitgleich mit dem neuen Bildungsplan für das G8 im Sommer 2016 an die Schulen. "Wir nehmen den längeren Prozess in Kauf, um wirklich gute und für die Schulen und Lehrkräfte ertragreiche Bildungspläne zu erhalten. Das Ziel ist nicht, die Bildungspläne möglichst schnell zu erarbeiten, sondern möglichst gut", sagte Stoch.

 

Die Praktiker haben das Wort: Erprobungsphase wird verstärkt

Die bisherige Erprobung von Arbeitsfassungen der neuen Bildungspläne ist im Schuljahr 2013/2014 gestartet worden, um bereits während ihrer Entwicklung detaillierte Verbesserungsvorschläge aus der Praxis zu gewinnen. Dabei wurden 20 Grundschulen sowie 39 Schulen aller Schularten in der Orientierungsstufe (Klasse 5 und 6) einbezogen, darunter zwölf Realschulen und jeweils neun Werkrealschulen,  Gemeinschaftsschulen und Gymnasien.

Das Ministerium nimmt die immer wieder geäußerten Wünsche von Lehrkräften auf und dehnt die Erprobungsphase im Schuljahr 2014/2015 auf die Klassenstufen 7 und 8 an Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen aus. Zudem werden an rund 40 Gymnasien Fachpläne in diesen Klassenstufen auf Basis des neuen gymnasialen Bildungsplans erprobt. Insgesamt erfolgt damit erstmals ein systematischer Praxistest der Bildungspläne an den allgemein bildenden Schulen. "Die Lehrerinnen und Lehrer sollen ausreichend Zeit für einen Praxistest haben, um die Qualität der Bildungspläne zu prüfen. Deshalb entsprechen wir gerne ihrem Wunsch", sagte Stoch.

Beim bisherigen Praxistest haben die Lehrkräfte unterschiedliche Eindrücke zurückgemeldet. Positive Äußerungen fielen etwa zur Gegenüberstellung dreier unterschiedlicher Stufen für das Niveau von Haupt- und Werkrealschule, Realschule sowie Gymnasium. "Wir begrüßen die Darstellung der drei Niveaustufen: So können Möglichkeiten der Differenzierung von vornherein in die Unterrichtsplanung einbezogen werden", heißt es etwa aus einer Real- und einer Gemeinschaftsschule. Der neue Bildungsplan soll so der Heterogenität in den Klassen gerecht werden. Oder auch: "Die Präzisierung der Inhalte (besonders gegenüber dem Bildungsplan von 2004) ist eine wirkliche Hilfestellung für die Unterrichtspraxis", schreibt ein Pädagoge aus den Klassen 5 und 6 (Orientierungsstufe). Kritik gab es vor allem an der Nutz- und Lesbarkeit der Fachpläne. "Der Bildungsplan ist sprachlich zu wissenschaftlich", heißt es aus einer Realschule. Oder: "Zu viele Querverweise erschweren die Lesbarkeit des Planes in der Papierversion", wird in einer Grundschule bemängelt.

 

Für eine bessere Einführung: Fortbildung an jeder Schule

Die zweite Verbesserung betrifft die Einführung der Bildungspläne in den Schulen. "Für zentral halten wir die rechtzeitige und umfassende Vorbereitung und Begleitung der Lehrkräfte durch Fortbildung. Nur dann wird der Bildungsplan umgesetzt werden können", wird aus den Schulen mitgeteilt. Diese Rückmeldungen entsprechen auch den Erfahrungen bei der Einführung des Bildungsplans von 2004. Der Minister hält deshalb eine intensivere Vorbereitung für unbedingt notwendig. Er will eine verstärkte Information und Fortbildung der Lehrkräfte in einem neuen vierstufigen Konzept verankern. Ziel ist, dass an jeder Schule und in jedem Fach mindestens eine Lehrkraft durch grundlegende fachbezogene Informationen sowie anhand von Praxisbeispielen als Multiplikator fortgebildet wird.

Stufe 1 des Fortbildungskonzepts umfasst die Information der Schulleitungen über den Bildungsplan und die Fortbildungsangebote durch eigens qualifizierte Fachberater Unterrichtsentwicklung.

In Stufe 2 gibt es schulinterne Fortbildungsveranstaltungen an allen Schulen, ebenfalls von qualifizierten Fachberatern.

Stufe 3 bietet Fortbildungsangebote zu den Fächern, Fächerverbünden und Wahlpflichtfächern.

In Stufe 4 wird sichergestellt, dass die Erkenntnisse aus den Fortbildungsveranstaltungen durch Multiplikatoren in den Schulen verbreitet werden.

Dieses Konzept soll ab dem kommenden Schuljahr 2014/2015 ein regionales Angebot insbesondere für Lehrkräfte der Klassenstufen 1 und 2 sowie 5 und 6 umfassen. "Ohne eine gute Fortbildung und Umsetzung an den Schulen nützt der beste Bildungsplan nichts. Nur wenn die Lehrerinnen und Lehrer ausreichend vorbereitet werden, können sie diese Inhalte auch wirklich gut umsetzen", erläuterte Stoch.

 

Weitere Informationen für die Redaktionen

Die Bildungspläne sollen die an den Schulen vermittelten Inhalte nach über zehn Jahren an die gesellschaftliche Entwicklung anpassen. Das Kultusministerium will dabei die aktuellen Herausforderungen an den Schulen angehen und insbesondere das individualisierte Lernen in allen Schularten voranbringen. Ziel ist zudem, die Durchlässigkeit zwischen den Schularten zu verbessern. Dazu entstehen Bildungspläne für die Grundschule, ein gemeinsamer Bildungsplan für die Sekundarstufe I an Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen mit drei Niveaustufen einschließlich des gymnasialen Niveaus sowie ein darauf abgestimmter Bildungsplan für das allgemein bildende Gymnasium.

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