06.04.2016

Applaus für Kultusminister Stoch und die neuen Bildungspläne

Das Kultusministerium hat am 6. April 2016 die neuen Bildungspläne auf einem Kongress in der Schwabenlandhalle Fellbach der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Veranstaltung war die letzte, große Veranstaltung von Kultusminister Andreas Stoch. Mit einem minutenlangen, stehenden Applaus zollte das Publikum Stoch seinen Respekt für dessen hochkompetente Arbeit der vergangenen drei Jahre an der Spitze des Kultusministeriums.

„Wege, die in die Zukunft führen, liegen nie als Wege vor uns. Sie werden zu Wegen erst dadurch, dass man sie geht.“ Mit diesem Zitat von Franz Kafka eröffnete Kultusminister Stoch den Kongress – und warb beim Kongresspublikum, den durch die neuen Bildungspläne eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, um gemeinsam das baden-württembergische Bildungssystem zukunftsfähig zu machen.

Fast 900 Besucherinnen und Besucher sind nach Fellbach gekommen, um sich über die zentralen Neuheiten der Bildungspläne zu informieren. Ziel des Kongresses war es auch, Schulleiterinnen und Schulleitern sowie Lehrerinnen und Lehrern praktische Tipps zur Umsetzung der neuen Bildungspläne an den Schulen zu geben. Diese treten zum kommenden Schuljahr 2016/2017 in Kraft.

Stoch würdigte in seiner Rede die Arbeit aller an diesem Großprojekt beteiligten Personen und Institutionen: „Über 400 Lehrerinnen und Lehrer haben an der Erarbeitung der Bildungspläne mitgewirkt, und ihnen ist ein richtig guter Wurf gelungen. Ohne den großartigen Einsatz aller Beteiligten an diesem Projekt wäre es nicht möglich gewesen, aus den vielen Handlungsfeldern schließlich ein stimmiges Gesamtprodukt entstehen zu lassen.“ Auch die Rückmeldungen aus der Praxis der Schulen, die die Pläne zwei Schuljahre erprobt haben, bestätigen dies.

Im Rahmen der Bildungsplanreform 2016 sind drei neue Bildungspläne erarbeitet worden: Der Bildungsplan für die Grundschule, der gemeinsame Bildungsplan für die Sekundarstufe I und der Bildungsplan für das allgemein bildende Gymnasium. Alle Pläne sind so aufeinander abgestimmt, dass Brüche in der Bildungsbiografie künftig vermieden werden. Bei der Reform der Bildungspläne wurden auch gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt, die neue Herausforderungen an Schulen sowie Schülerinnen und Schüler stellen. Als Stichworte nannte Kultusminister Stoch den demografischen Wandel, die veränderten Anforderungen in der Arbeits- und Berufswelt, die zunehmende kulturelle und religiöse Vielfalt sowie das Recht auf Teilhabe und Inklusion.

Stoch betonte, dass es ihm ein wichtiges Anliegen war, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer bei dieser von Anfang an auf die Arbeit gut vorbereitet fühlen und den Bildungsplan als eine gute Grundlage ihrer täglichen Arbeit wahrnehmen. Deshalb hat das Kultusministerium eine umfassende Fortbildungsoffensive gestartet.

Langen Applaus erhielt Stoch für sein Plädoyer für die Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“: „Wenn ich einen Wunsch habe, dann, dass die Bildungspläne zu einem wertschätzenden Miteinander beitragen“, betonte er bei der Diskussion mit Schulleitern aus den Erprobungsschulen. Er sei überzeugt, dass die neuen Bildungspläne eine zeitgemäße Arbeitsgrundlage für die Bildung und Erziehung, Wertevermittlung und Persönlichkeitsbildung an den Schulen seien.

Verweisstruktur ist "ohne Ende innovativ"

Die Veranstaltung beleuchtete die anstehenden Neuerungen insbesondere unter dem Aspekt von Schulentwicklung und Schulleitung. In seinem Vortrag ging Prof. Dr. Hans Anand Pant von der Humboldt-Universität Berlin auf die Grundgedanken und Absichten der Bildungspläne ein. Pant vertiefte die bereits von Kultusminister Stoch genannten aktuellen Herausforderungen des Schulsystems und stellte dem Publikum den Aufbau und die Struktur der Pläne vor. Die Verweisstruktur innerhalb der Pläne bezeichnete Pant als „ohne Ende innovativ“. Auch betonte er, dass es bislang noch kein Bildungsministerium gegeben hätte, das einen größeren Aufwand betrieben hat, die Lehrerschaft und Öffentlichkeit derart stark in den Prozess einer Reform einzubeziehen.

Nach Pants Vortrag folgte ein moderiertes Gespräch mit den Vorsitzenden des Landesschulbeirats, des Landeselternbeirats sowie des Landesschülerbeirats. Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Schulleiterinnen und Schulleiter aus Erprobungsschulen mit Minister Stoch darüber, welche Erfahrungen die Schulen mit den neuen Bildungsplänen bereits gemacht haben. Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, in acht Foren verschiedene Aspekte der Bildungspläne zu vertiefen. Etwa zum Thema Change Management im Kontext der Bildungsplanreform oder zum Umgang mit Heterogenität und Individualisierung (Prof. Dr. Anne Sliwka, Universität Heidelberg). Weitere Forenthemen sind etwa sonderpädagogische Bildungsangebote unter Berücksichtigung der neuen Bildungspläne sowie Umsetzungsmöglichkeiten der Leitperspektiven „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ sowie „Prävention und Gesundheitsförderung“.

Beteiligungsformen

Die Bildungsplanreform 2016 war von Beginn an transparent und auf breite Beteiligung angelegt worden. An insgesamt 116 Erprobungsschulen aller Schularten haben zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer über zwei Schuljahre hinweg die Bildungspläne einem Praxistest unterzogen. Ein Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik hat seit Januar 2013 den gesamten Prozess konstruktiv-kritisch begleitet. Parallel zur Erprobung sind zahlreiche Rückmeldungen der interessierten Öffentlichkeit sukzessive in die Bildungsplanarbeit mit aufgenommen worden. Die Bildungsplankommissionen wurden wissenschaftlich begleitet durch Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen.

Öffentliche Anhörung

Vom 14. September bis 30. Oktober 2015 konnten alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die Anhörungsfassungen der neuen Bildungspläne im Internet einsehen und Stellung dazu beziehen. Bei dieser offenen Anhörungsphase hat das Kultusministerium darüber hinaus 175 Partner aktiv aufgefordert, sich an der Anhörung zu beteiligen, darunter die Beratungsgremien des Kultusministeriums (Landesschulbeirat, Landeselternbeirat, Landesschülerbeirat), Gewerkschaften, Berufsverbände und -vereinigungen, Personalräte, die Kommunalen Landesverbände, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Fachverbände, Organisationen der Wirtschaft und Kammern, Universitäten und Pädagogische Hochschulen, Politik und Landesverwaltung.

Über 2.600 Stellungnahmen zu den Bildungsplänen

Insgesamt gingen über 2.600 Stellungnahmen ein. Über die Hälfte der Rückmeldungen stammt von Lehrkräften aus Schulen und Seminaren, 20 Prozent stammen von Verbänden und Organisationen (darunter die meisten Anhörungspartner), 18 Prozent von Privatpersonen (darunter Eltern) sowie acht Prozent von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Rund 650 Stellungnahmen brachten neue Aspekte in die Diskussion ein und wurden in die Fachpläne eingearbeitet. Stellungnahmen, die Themen betrafen, die nicht im Bildungsplan geregelt sind, etwa zur Ausstattung von Schulgebäuden, konnten hingegen nicht aufgegriffen werden. Dies betraf auch andere Stellungnahmen, beispielsweise zu Regelungen, die aufgrund von Vorgaben der Kultusministerkonferenz nicht änderbar sind.

Weitere Informationen
Die neuen Bildungspläne finden sich im Netz unter http://bildungsplaene-bw.de

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