19.02.2014

Die Clique als Chance: Fachtag „Positive Peer Culture“

Ein Sprecher des Kultusministeriums: „Wir wollen neue Wege der Prävention und Intervention gehen, um die Gewalt unter Jugendlichen zu verringern. Schule soll ein Raum positiver Jugendkultur werden.“

Der Aufbau einer positiven Jugendkultur ist das Thema der heutigen Tagung „Positive Peer Culture“. 200 Vertreter/innen der Jugendhilfe, von Schulen, Polizei sowie aus der Präventionsarbeit nutzen den Fachtag als Plattform zum Austausch. Ziel der Veranstaltung ist es, die erfolgreiche Anwendung des Ansatzes „Positive Peer Culture“ in Schule, Jugendhilfe und Jugendarbeit aufzuzeigen und zu diskutieren. Der Fachtag „Positive Peer Culture“ wurde gemeinsam vom Kultusministerium, dem Christlichen Jugenddorfwerk Creglingen (CJD Creglingen) und der Aktion Jugendschutz (ajs) initiiert und konzipiert. „Wir wollen neue Wege der Prävention und Intervention gehen, um die Gewalt unter Jugendlichen zu verringern. Schule soll ein Raum positiver Jugendkultur werden“, so ein Sprecher des Kultusministeriums.

Beim Ansatz „Positive Peer Culture“ wird die Gruppe der Gleichaltrigen (z.B. die Clique) konstruktiv genutzt und nicht als negativer Einflussfaktor in den Blick genommen. Einen möglichen Weg hin zu einer positiven Jugendkultur zeigt das Beispiel Karl-Friedrich-Reinhard-Werkrealschule in Schorndorf. Dort informieren Schülerinnen und Schüler ihre Mitschüler über die Gefahren des Internets. Dieses Projekt zeigt: Jugendliche können voneinander ein hohes Maß an Sozial- und Kommunikationskompetenz sowie Verantwortung lernen.

Am Fachtag wird am Vormittag in verschiedenen Vorträgen zu "Positive Peer Culture" informiert.

Prof. Dr. Wulf, Referatsleiter im Justizministerium Baden-Württemberg, schildert die Bedeutung von "Positive Peer Culture" im Jugendstrafvollzug in freien Formen, einer neuen Alternative des Jugendstrafvollzugs. Er berichtet von den bisherigen positiven Ergebnissen und regt an, diesen z. B. Jugendstrafanstalten oder auch in der Schule umzusetzen.

Als deutschlandweiter Experte konnte Prof. Dr. Opp, von der Universität Halle-Wittenberg, Mitbegründer des Instituts für Positive Peerkultur, für ein Referat gewonnen werden. "Nur wer sich Gemeinschaften zugehörig fühlt und das begründete Gefühl von Mitsprache und Mitbestimmung hat, wird Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft übernehmen", ist sich Prof. Dr. Opp sicher.

Dr. Trapper, Geschäftsführer der Evangelischen Stiftung Loher Nocken, betont, dass der Ansatz konsequent auf den Ressourcen und Stärken junger Menschen aufbaut. Dieser ressourcenorientierte Ansatz spiegelt sich im landesweiten Rahmenkonzept für Prävention an Schulen stark.stärker.WIR. wider.

In den Workshops am Nachmittag erläutern Fachkräfte, auch gemeinsam mit Jugendlichen, wie mit "Positive Peer Culture" in der Praxis gearbeitet wird.

Zum Fachtag wird eine Dokumentation erstellt, die ab Juli beim Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg angefordert werden kann.

Hintergrundinformation:

Der gruppenpädagogische Ansatz "Positive Peer Culture" wurde in den 1970er Jahren von Larry Brendtro und Harry Vorrath entwickelt und bietet einen attraktiven Handlungsansatz in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen. Verantwortungsübernahme und gegenseitige Unterstützung werden in der Peergroup der Jugendlichen ermöglicht und gefordert. Ziel ist eine positive Gruppenkultur, die von Respekt und der Ausrichtung auf soziale Werte geprägt ist. In Einrichtungen, die den Ansatz „Positive Peer Culture“ umzusetzen, verändert sich die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen. Es kommt seltener zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Stattdessen wachsen auf der individuellen Ebene kommunikative Kompetenzen, das Selbstbild und Selbstwertgefühl werden positiv gestärkt. So kann ein Klima des Vertrauens entstehen.

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