08.01.2016

Kultusministerium und vhs stuttgart fördern Grundbildung am Arbeitsplatz


Staatssekretärin Marion v. Wartenberg: „Gemeinsam wollen wir erreichen, dass Menschen ihre Ängste überwinden und besser schreiben, lesen und rechnen können. Die vhs stuttgart hat eine hohe Expertise, wenn es darum geht, Bildungsangebote für benachteiligte Zielgruppen zu entwickeln und umzusetzen.“

Rund eine Million Erwachsene in Baden-Württemberg verfügen über unzureichende schriftsprachliche Kompetenzen. Mit einer neuen Landeskampagne für Alphabetisierung und Grundbildung hat sich das Kultusministerium das Ziel gesetzt, diese Menschen stärker als bisher dabei zu unterstützen, aus der Anonymität herauszufinden und Weiterbildungsangebote wahrzunehmen. Da ein Großteil der Betroffenen erwerbstätig ist (57 Prozent), hat die vhs stuttgart das Projekt AROBI – Arbeitsplatzorientierte Grundbildung – entwickelt, das insbesondere Arbeitgeber sensibilisieren soll, funktionalen Analphabeten aus ihrer oftmals sozialen Isolation zu helfen und ihnen bessere Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe und beruflicher Qualifizierung zu ermöglichen. Das Projekt wird mit Fördergeldern des Europäischen Sozialfonds in Höhe von 50.500 Euro unterstützt. Die vhs stuttgart bringt Eigenmittel und die langjährige Kompetenz ihres Fachbereichs Alphabetisierung in das Projekt ein, das im Dezember 2015 gestartet ist und bis 2018 laufen soll.

„Gemeinsam wollen wir erreichen, dass Menschen ihre Ängste überwinden und besser schreiben, lesen und rechnen können. Die vhs stuttgart hat eine hohe Expertise und langjährige Erfahrungen, wenn es darum geht, Bildungsangebote für benachteiligte Zielgruppen zu entwickeln und umzusetzen. Ich freue mich deshalb, dass die vhs stuttgart sich in einem großen Umfang an der Landeskampagne engagiert, um Menschen mit Schreib- und Leseschwierigkeiten zu helfen“, betont Staatsekretärin Marion v. Wartenberg. Für die Kampagne stehen rund 1,2 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Damit können unter anderem neue Kurs- und Lernangebote bei zwölf Weiterbildungsträgern finanziert werden, darunter die vhs stuttgart.

Landeskampagne stärkt den Standort Stuttgart

Bürgermeister Werner Wölfle, stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der vhs stuttgart, begrüßt die Landeskampagne und vor allem die Unterstützung des vhs Projekts AROBI. „Es ist mir sehr wichtig, dass wir vor dem Hintergrund des aktuellen Flüchtlingszuzugs und den damit verbundenen Anstrengungen, diese Menschen hier in Stuttgart aufzunehmen, erste Deutschkenntnisse zu vermitteln und schließlich in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft zu integrieren, auch diejenigen Menschen fördern, die bereits in der Stadt leben und sich aufgrund von fehlender Grundbildung persönlich und beruflich nicht weiterentwickeln können.“ Als Bürgermeister und großer Arbeitgeber in der Landeshauptstadt Stuttgart sieht Werner Wölfle das Potenzial, das die Kampagne und Projekte wie AROBI bieten: „Stuttgart ist auf gut qualifizierte Menschen in allen Bereichen angewiesen. Nur so kann es gelingen, mit gut ausgebildeten Fachkräften die Stadt als attraktiven Wirtschaftsstandort zu stärken.“

Arbeiten und Lernen – Grundbildung am Arbeitsplatz

Zielgruppe des Projekts der vhs stuttgart sind vor allem Beschäftigte. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, Grundbildungskurse direkt in den Betrieben zu belegen. Dies eröffnet den Unternehmen die Gelegenheit, eigene inhaltliche Schwerpunkte zu setzen, die über das Lesen, Schreiben und Rechnen hinausgehen, wie etwa das Erlernen einer Fachsprache, Führerscheine für Maschinen zu erwerben oder die Bedienung von digitalen Werkzeugen zu professionalisieren. „Funktionale Analphabeten können beispielsweise Hinweisschilder nicht richtig verstehen, keine Formulare ausfüllen, Dienstpläne lesen oder E-Mails schreiben“, beschreibt Wolfgang Nagel, der den Bereich Grundbildung an der vhs stuttgart koordiniert.

Bereits seit über 30 Jahren bietet die vhs stuttgart Alphabetisierungskurse an, verfügt über erfahrenes Personal und hat seit 2012 im Rahmen des Projekts GISO (Grundbildung in Stuttgart Ost) mithilfe von Fördergeldern des Kultusministeriums ein Netzwerk der Unterstützung für Menschen mit Grundbildungsbedarf auf- und ausgebaut. Das umfangreiche Kursangebot reicht von Alphabetisierungskursen über Mathematik für Anfänger bis zu Vorbereitungskursen zum Nachholen des Hauptschulabschlusses. Durchschnittlich nutzen jährlich mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Angebote. „Das ist jedoch eine verschwindend geringe Anzahl angesichts der 80.000 funktionalen Analphabeten, die es in Stuttgart hochgerechnet gibt“, erklärt Dagmar Mikasch-Köthner. Dabei läge die Zahl der Menschen mit Grundbildungsbedarf schätzungsweise erheblich höher, beurteilt die vhs Direktorin die aktuelle Situation. Über die Hälfte der betroffenen Personengruppe ist erwerbstätig. „Es handelt sich um ein Thema, mitten aus unserer Gesellschaft und das wir aus der Tabuzone holen müssen. Deshalb gehen wir neue Wege und nehmen Kontakt mit Unternehmen in Stuttgart auf, um über diese Schiene, die Betroffenen zu erreichen“, ergänzt Dagmar Mikasch-Köthner.

So sollen im Rahmen von AROBI zunächst die Verantwortlichen in den Unternehmen/ Verwaltungen für die Problematik der Betroffenen sensibilisiert werden, um sie dann in einem zweiten Schritt davon zu überzeugen, dass die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter/innen deutlich spürbare Vorteile bringt. „Gezielte Grundbildungsmaßnahmen reduzieren die Fehlerquoten, steigern die Qualität oder verbessern wesentlich die interne Kommunikation“, berichtet Wolfgang Nagel. So wird in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat, der Geschäftsleitung und weiteren Schlüssel- oder Vertrauenspersonen in den Unternehmen ein auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter/innen angepasstes Kursangebot entwickelt und durchgeführt.

AROBI – Baubranche und Gebäudereinigung im Fokus

Im Rahmen der Projektumsetzung erfolgt in der ersten Phase die Ansprache der Unternehmen über bereits bestehende Netzwerke. Im Blick stehen dabei Firmen aus dem Baugewerbe und dem Bereich der Gebäudereinigung, da diese Berufsgruppen laut Level-One Studie mitunter die höchsten Anteile an funktionalen Analphabeten verzeichnen. Im ersten Schritt gilt es, in den Firmen und/oder den Verwaltungen sowohl bei den Arbeitgebern als auch den Arbeiternehmer/innen die Sensibilität für das Thema zu erhöhen. „In vielen Unternehmen herrscht die Meinung vor, dass in ihrem Betrieb keine Betroffenen arbeiten“, sagt Wolfgang Nagel und ergänzt: „Hier sind wir gefordert, unsere ganze Kompetenz und Erfahrung in das Projekt einzubringen.“ Interessierte Firmen können sich auch direkt bei der vhs stuttgart melden. „Wir bieten unabhängig vom Projektverlauf generell eine umfassende Beratung für Firmen an, die Interesse an arbeitsplatzbezogenen Grundbildungsangeboten haben oder allgemein Weiterbildungskurse für ihre Beschäftigten suchen“, sagt Wolfgang Nagel.



Weitere Informationen

Unter folgendem Link sind wichtige Fragen und Antworten zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung zu finden:

http://www.km-bw.de/,Lde/Startseite/Themen/FAQs+zur+Alphabetisierung



Bei Fragen zum Projekt AROBI der vhs stuttgart kontaktieren Sie bitte:

Elvira Schuster, Tel. 0711/1873-746, elvira.schuster@vhs-stuttgart.de

Waltraud Engel, Tel. 0711/1873-792, waltraud.engel@vhs-stuttgart.de

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