27.01.2014

Entwicklung bei den Übergangszahlen in die weiterführenden Schulen setzt sich im laufenden Schuljahr fort

Kultusminister Andreas Stoch MdL: "Die Schulen passen ihre Pädagogik immer mehr der zunehmenden Heterogenität unter den Schülern an und gehen stärker auf die einzelnen Schüler ein. Diese Bereitschaft zur Veränderung unterstreicht die Qualität der einzelnen Schule"

Der Trend bei der Schulentwicklung der vergangenen Jahre in Baden-Württemberg setzt sich weiter fort. Dies ist ein Ergebnis der amtlichen Schulstatistik zu den Übergängen aus den Grundschulen in die weiterführenden Schulen zum laufenden Schuljahr 2013/2014, die heute von Kultusminister Andreas Stoch und Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamtes, vorgestellt wurde. Während einerseits die Übergangsquote auf die Werkreal-/Hauptschulen auf 11,9 Prozent erneut sinkt, ist bei den Realschulen nur eine leicht rückläufige Tendenz auf 36,2 Prozent zu verzeichnen und bei den Gemeinschaftsschulen eine starke Zunahme der Übergangsquote auf 5,7 Prozent entsprechend der größeren Zahl der Schulen. Die Gymnasien stabilisieren sich mit 44,6 Prozent bei einem leichten Plus auf hohem Niveau und erreichen erneut den höchsten Übergangsanteil. "Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Eltern ihren Kindern immer mehr die Möglichkeit zu höheren Schulabschlüssen geben wollen. Und sie zeigt, wie wichtig es ist, dass sich die Schulen verstärkt auf die größere Heterogenität ihrer Schülerinnen und Schüler einstellen, wie es bei den Gemeinschaftsschulen schon sehr gut der Fall ist", erklärte Stoch.

Insgesamt gab es zwischen den Landkreisen erhebliche Unterschiede der Übergangsquoten. Sie differierten bei den Haupt- und Werkrealschulen zwischen 2,4 (Stadtkreis Heidelberg) und 21,6 Prozent (Stadtkreis Pforzheim), bei den Realschulen zwischen 16,0 (Stadtkreis Heidelberg) und 45,6 Prozent (Landkreis Schwäbisch Hall) sowie bei den Gymnasien zwischen 29,9 (Landkreis Waldshut) und 65,0 Prozent (Stadtkreis Heidelberg).

Der Rückgang der Übergangszahlen in die fünfte Klassenstufe der Werkreal-/Hauptschulen wird damit erneut bestätigt. Gab es 2001 noch rund 40.300 Übergänger, hat sich die Zahl bis 2011 mit rund 24.000 fast halbiert. Einen weiteren Rückgang gab es, als die Landesregierung die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung abgeschafft und damit die Elternrechte gestärkt hat. Die Zahl sank auf rund 15.000 im vergangenen und rund 11.100 Übergänger im laufenden Schuljahr. Dies mache einmal mehr deutlich, dass der Prozess der regionalen Schulentwicklung schon vor Jahren hätte begonnen werden müssen, erklärte Stoch. Er betonte: "Wir gewährleisten mit der regionalen Schulentwicklung zusammen mit den Schulträgern vor Ort, dass die Schülerinnen und Schüler alle Schulabschlüsse in zumutbarer Entfernung erreichen können."

 

Schulen stellen sich immer besser auf die Heterogenität ein

Die Schulstatistik bestätigt zudem die Heterogenität in allen Schularten, also die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler, die sich in den Grundschulempfehlungen widerspiegelt (siehe Tabelle). Während die Heterogenität bei den Übergängen in die fünften Klassen der Gymnasien ähnlich ausgeprägt ist wie im Jahr zuvor (Schüler mit Werkrealschulempfehlung jetzt: 1 Prozent, mit Realschulempfehlung: 10,8 Prozent), verzeichnen die Realschulen erneut Zunahmen bei Übergängern mit Werkreal-/Hauptschul- (von 23,3 auf 24,3 Prozent) sowie Gymnasialempfehlungen (von 16,9 auf 18,4 Prozent). Die Landesregierung hat die Schulen beider Schularten deshalb verstärkt beim Ausbau der individuellen Förderung unterstützt. Die Realschulen erhielten im Schuljahr 2012/2013 erstmals überhaupt 1,5 Lehrerwochenstunden zur Förderung und Differenzierung. Bei den Gymnasien wurde zum Schuljahr 2012/2013 die zuvor gestrichene elfte Poolstunde wieder eingeführt, um die Klassen 5 und 6 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache zu fördern. Darüber hinaus wurden den Schulen beider Schularten im laufenden Schuljahr jeweils weitere 0,7 Poolstunden je Zug mit insgesamt 80 Deputaten (jeweils 1.000 Stunden) für die individuelle Förderung in der Unterstufe zugewiesen.

Die Schulen nutzen diese Zuweisungen immer stärker und entwickeln eigene Förderkonzepte. Sie begreifen die Heterogenität als Chance. Immer mehr Schüler erreichen dadurch höhere Abschlüsse, während gleichzeitig die hohe Qualität der Mittleren Reife und des Abiturs sichergestellt wird. Bei den Realschulen gehen die Lehrkräfte immer stärker auf die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler ein. Ausgehend von der Diagnose der individuellen Fähigkeiten werden zusätzliche Lerneinheiten in ausgewählten Fächern sowie individuell passende Lernangebote in Lerngruppen bereitgestellt. Die Gymnasien setzen ihr Programm "Gut ankommen an den Gymnasien" verstärkt um, etwa durch eine intensive Lernbegleitung und eine gezielte fachliche Förderung. So werden etwa Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf und sechs besonders dazu angeleitet, ihr Lern- und Arbeitsverhalten zu verbessern. Im Fachunterricht insbesondere in Deutsch, Mathematik und in den Fremdsprachen können durch geteilte Klassen kleinere Lerngruppen gebildet werden, um Schüler besser individuell zu fördern. Auch der Umfang der Hausaufgabenbetreuung durch zumeist ältere Schüler hat im Vergleich zu den Vorjahren nochmals zugenommen auf mehr als 1,3 Millionen Euro (2011 und 2012 jeweils rund 1 Million). "Die Schulen passen ihre Pädagogik immer mehr der zunehmenden Heterogenität unter den Schülern an und gehen stärker auf die einzelnen Schüler ein. Diese Bereitschaft zur Veränderung unterstreicht die Qualität der einzelnen Schule", erklärte Stoch.

 

Gemeinschaftsschulen genießen Vertrauen vor Ort

Die Pädagogik der Gemeinschaftsschulen ist am deutlichsten auf die zunehmende Heterogenität der Schülerinnen und Schüler eingestellt. Bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den fünften Klassen – auch durch die Zunahme der Schulen von 42 auf 129 – erheblich vergrößert. Insbesondere die Schulen der ersten Tranche weisen größtenteils erheblich mehr Schüler auf. "Hier zeigt sich deutlich, wie stark die Gemeinschaftsschulen vor Ort Vertrauen bei den Eltern genießen", sagte Stoch. Sie könnten dabei sehr gut auf der Arbeit ihrer Vorgänger aufbauen. Auch die Gemeinschaftsschulen weisen eine sehr heterogene Schülerverteilung auf. Obwohl sich fast alle von ihnen aus Werkrealschulen entwickelt haben, verfügen 38 Prozent der Übergänger aus den Grund- in die Gemeinschaftsschulen über eine Empfehlung für die Realschulen (27,9) und die Gymnasien (10,0 Prozent). Diese Anteile sind zwar im Vergleich zum vorigen Schuljahr bei Realschulempfehlungen um -0,2 und bei Gymnasialempfehlungen um 2,2 Prozentpunkte gesunken. "Ein solcher Rückgang zeigt, dass eine neue Schulart nicht ohne Probleme etabliert werden kann. Ich bin mir aber sicher, dass die Begeisterung über die Gemeinschaftsschule an fast allen Standorten und ihre gute Arbeit diese Entwicklung wieder umkehren wird", erklärte Stoch.

 

Übergänge zum Schuljahr 2013_2014 und GSE

Übergänge zum Schuljahr 2012_2013 und GSE





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