Die gymnasiale Oberstufe
Vertiefte Allgemeinbildung in Kernfächern, individuelle Profilierung, fächerübergreifendes, selbstständiges und projektorientiertes Lernen - das sind die wesentlichen Zielsetzungen der gymnasialen Oberstufe in Baden-Württemberg. Damit erhalten Abiturientinnen und Abiturienten im Land eine solide und zukunftsfähige Basis für den Übergang in die Hochschule und in den Beruf.
Grundlagen und Ziele
Die Kultusministerkonferenz hat im Oktober 1999 den Weg für eine qualitative Weiterentwicklung des Gymnasiums frei gemacht. Um Abiturientinnen und Abiturienten diejenigen Fähigkeiten, Kompetenzen und Haltungen zu vermitteln, die für die Wahrung ihrer Zukunftschancen und die angemessene Bewältigung ihrer Aufgaben unverzichtbar sind, kommt einer breiten und vertieften Allgemeinbildung in den Kernfächern Deutsch, Fremdsprache und Mathematik eine besondere Bedeutung zu. Die Oberstufe garantiert aber auch, dass die Schülerinnen und Schüler ihren Neigungen und Interessen gemäß eigene Schwerpunkte setzen und sich profilieren können.
Wichtige Punkte sind darüber hinaus die Förderung neuer Lernkulturen, des selbstständigen und projektorientierten Arbeitens sowie des für die allgemeine Studierfähigkeit besonders relevanten interdisziplinären Lernens. Ein zukunftsorientiertes und leistungsstarkes Gymnasium muss über Grundlagen in den einzelnen Fächern hinaus die Fähigkeit zu fächerübergreifendem und eigenständigem Lernen sowie Methoden- und Sozialkompetenz vermitteln.
Diese Seite informiert über Inhalte und Ziele der gymnasialen Oberstufe. Detaillierte Informationen gibt es außerdem bei der Schulleitung und der Oberstufenberaterin oder dem Oberstufenberater von örtlichen Gymnasien. Fragen beantworten auch die zuständigen Referentinnen und Referenten der oberen Schulaufsichtsbehörde bei den Regierungspräsidien.
RP Freiburg, Abt. 7 - Schule und Bildung
Telefon 0761 200-2128
poststelle@rpf.bwl.de
RP Karlsruhe, Abt. 7 - Schule und Bildung
Telefon 0721 926-0
poststelle@rpk.bwl.de
RP Stuttgart, Abt. 7 - Schule und Bildung
Telefon 0711 90440700
poststelle@rps.bwl.de
RP Tübingen, Abt. 7 - Schule und Bildung
Telefon 07071 757-0
poststelle@rpt.bwl.de
Kennzeichen der gymnasialen Oberstufe
- Deutsch, Fremdsprache, Mathematik, entweder eine weitere Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft sowie ein weiteres, individuell bestimmbares Fach sind für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Sie werden alle mit vier Wochenstunden unterrichtet.
- Es besteht die Möglichkeit, individuelle Schwerpunkte zu setzen. Neben der besondern Lernleistung (Seminarkurs oder Teilnahme an einem Wettbewerb), gehören dazu die Fächer des Wahlbereichs (etwa Philosophie oder Informatik oder ein Frühstudium).
- Der Bedeutung der Naturwissenschaften in der Oberstufe wird Rechnung getragen. Zwei naturwissenschaftliche Fächer sind verbindlich.
- Der Bildungsplan trägt den Anforderungen an eine innovative Unterrichtskultur Rechnung.
Diese zukunftsgewandten Kennzeichen der gymnasialen Oberstufe führen auch zu neuen Formen der Leistungsbeurteilung und zu einer Weiterentwicklung der Aufgabenstellung in der Abiturprüfung. Am Zentralabitur, das sich in Baden-Württemberg bewährt hat, wird festgehalten.
Unter dem Aspekt einer erforderlichen Qualitätssicherung am Gymnasium dienen diese Zielsetzungen der Stärkung allgemeiner Kompetenzen und damit einer anspruchsvollen Vorbereitung auf die Anforderungen, die Schülerinnen und Schüler nach dem Abitur bewältigen müssen.
Maßnahmen an den allgemein bildenden Gymnasien in Baden-Württemberg
Unterricht in den Kernkompetenzfächern Deutsch, Fremdsprache und Mathematik
Die Kernfächer Deutsch, fortgeführte Fremdsprache und Mathematik für alle Schülerinnen und Schüler werden mit vier Wochenstunden unterrichtet und sind Teil der schriftlichen Abiturprüfung.
I. Pflichtbereich:
|
4-stündig:
|
|
|
je 2-stündig: |
|
Die Fächer Geschichte, Musik oder Kunst, Religionslehre oder Ethik und Sport müssen – sofern sie nicht Wahlkernfach sind - über vier Halbjahre zweistündig belegt werden, Gemeinschaftskunde und Geographie i.d.R. zwei Halbjahre zweistündig.
II. Wahlpflichtbereich:
|
4-stündig: |
|
|
4-stündig: |
|
Wahlbereich:
Die Fächer des Wahlbereichs (zum Beispiel Philosophie, Informatik) bleiben als Angebot und mit ihren Abrechnungsmöglichkeiten erhalten.
Besondere Lernleistung (Seminarkurs oder Teilnahme an einem Wettbewerb oder Frühstudium):
Die besondere Lernleistung umfasst immer eine Dokumentation der angewandten Methoden, des Arbeitsprozesses und der erreichten Ergebnisse sowie ein abschließendes Kolloquium. Hauptziel dieses Angebotes ist die Förderung von Methoden- und Sozialkompetenz, vor allem aber des selbstständigen Lernens. Die generelle Zielsetzung der gymnasialen Oberstufe wird hier noch einmal besonders akzentuiert.
Mit dem Seminarkurs ist es möglich, eine Prüfungsleistung bereits vor der schriftlichen Abiturprüfung abzulegen.
Die Abiturprüfung
Verpflichtende schriftliche Prüfungsfächer sind die Fächer Deutsch und Fremdsprache (Aufgabenfeld I) sowie Mathematik (Aufgabenfeld III). Dazu kommt nach Wahl der Schülerin oder des Schülers eine vierte schriftliche Prüfung. Das mündliche Prüfungsfach kann auch durch eine besondere Lernleistung ersetzt werden, die einem Aufgabenfeld zuzuordnen ist.
Bedingung für die Abiturprüfung ist nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz, dass neben dem sprachlich-künstlerischen Aufgabenfeld (Aufgabenfeld I) und dem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld (Aufgabenfeld III) auch das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld (Aufgabenfeld II) repräsentiert ist.
Schriftliche Prüfung:
- Deutsch, Mathematik, Fremdsprache
- ein weiteres Kernfach
Chancen von baden-württembergischen Abiturienten und Abiturientinnen
In der öffentlichen Debatte wird bisweilen die Befürchtung geäußert, dass baden-württembergische Studienbewerber und -bewerberinnen beim ZVS-Auswahlverfahren deshalb benachteiligt seien, weil die Anforderungen in der gymnasialen Oberstufe und in der zentralen Abiturprüfung höher als in vielen anderen Bundesländern seien. Solche Befürchtungen sind nicht gerechtfertigt. Die erhöhten Anforderungen in Baden-Württemberg sind nicht mit schlechteren Zeugnisnoten verbunden.
Berechnung der Gesamtqualifikation
Die Berechnung der Gesamtqualifikation ergibt sich aus einem Punkte-Kredit-System. Insgesamt können 900 Punkte erreicht werden. Davon entfallen auf die Leistungen in den Abiturprüfungen 300 Punkte, auf die Leistungen aus den 5 Kernfächern und den mindestens 20 weiteren zweistündigen Kursen 600 Punkte.

