Zum Landesbildungsserver  Zum Lehrerfortbildungsserver  Zum Landesmedienzentrum  Zum Landesportal


Sie sind hier: Startseite > Presse > Pressemitteilungen > ARCHIV > Pressemitteilungen 2005 > Literatur soll zu einem Erlebnis werden

Datum:  06.07.2005

Literatur soll zu einem Erlebnis werden

Kurzbeschreibung:  Kultusstaatssekretär Helmut Rau stellt Grundlinien einer neuen Konzeption für den Literaturunterricht an Baden-Württembergs Schulen zur Diskussion

Kultusstaatssekretär Helmut Rau MdL hat am Mittwoch (6. Juli) die Grundlinien einer neuen Konzeption für den Literaturunterricht an Baden-Württembergs Schulen zur Diskussion gestellt. "Wir wollen eine Lesekultur fördern, die Kindern und Jugendlichen mehr Freude an Literatur vermittelt. Darauf muss der Unterricht im Fach Deutsch ausgerichtet sein", sagte Rau beim "Lesesymposium" im Deutschen Literatur-Archiv in Marbach am Neckar. Die reformierten Bildungspläne ermöglichten über alle Schularten hinweg neue Formen der Begegnung mit Gegenwartsliteratur und Klassikern. Als Beispiel nannte er den Brückenschlag von Kinder- oder Jugendbüchern zu klassischen Autorinnen und Autoren.

In den Bildungsplänen sei weitgehend darauf verzichtet worden, für das Fach Deutsch Autoren oder Werke zu nennen. Die Schulen hätten jetzt die Möglichkeit, in ihrem Schulcurriculum eigene Akzente zu setzen und vor allem bei der Unterrichtsgestaltung neue Wege zu gehen. Die Lehrerinnen und Lehrer stünden dabei vor einer doppelten Herausforderung. "Sie sollen die Schülerinnen und Schüler für die Werke der deutschen Literatur beigeistern und gleichzeitig den Unterricht so gestalten, dass ein enger Bezug zu den Lebenswelten und Lesebedürfnissen der Kinder und Jugendlichen hergestellt wird", so Rau.

Um den Lehrkräften eine Orientierung zu geben, habe das Kultusministerium eine verbindliche Liste von 17 Autorinnen und Autoren zusammengestellt, die zum Grundbestand der literarischen Kultur in Deutschland zählten. Die Auswahl sei unter didaktischen Gesichtspunkten getroffen worden. Es gehe dabei nicht um eine Rangordnung deutscher Literatur. Die Formen der Begegnung mit den Autorinnen und Autoren seien bewusst offen gehalten worden. Mit einer aus heutiger Sicht unkonventionellen Unterrichtsgestaltung könne die Lesebegeisterung der Schülerinnen und Schüler gefördert und die Begegnung mit Literatur in der Schule "zu einem Erlebnis" gemacht werden. "Umfangreiche Texte müssen nicht immer erschöpfend analysiert werden, oft genügen geschickt gewählte Textauszüge für eine gelungene Begegnung. Um einen Zugang zu den Personen und ihren Beziehungen zu eröffnen, genügt es manchmal, Szenen nachzuspielen oder umzugestalten. Neue Zugänge zur Literatur können auch Bilder, Zeitungsberichte und Autorenlesungen eröffnen", sagte der Staatssekretär.

Der verbindlichen Liste von "Klassikern" schließen sich weitere Listen mit Empfehlungen an. "Wir wissen, wie schwierig es sein kann, die Kluft zwischen klassischen Autoren und dem Schulalltag zu überbrücken. An dieser Stelle wollen wir die Lehrerinnen und Lehrer nicht allein lassen", so Rau. Die Empfehlungslisten würden beispielsweise auch Kinder- und Jugendbücher aufzählen, die geeignet seien, um Verbindungen zwischen den verschiedenen literarischen Welten herzustellen. "Die Empfehlungen möchten zur Lektüre anregen und einladen, keinesfalls aber Unterrichtsstoff vorgeben. Es geht nicht um eine Vorschrift, sondern um eine Suchhilfe. Es geht um ein Optimum, nicht um ein Pensum." Eine Weiterentwicklung des Literaturunterrichts müsse auch zu neuen Prüfungsformen führen. Es dürfe nicht länger so sein, "dass im Unterricht vor Abschlussprüfungen nur einzelne bekannte Pflichtlektüren behandelt werden". Rau weiter: "Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler in und außerhalb der Schule mehr Autoren und Werke kennen lernen und dass diese Kenntnisse ihnen auch in Prüfungen zu Gute kommen."

Zurück zur Übersicht