Veranstaltung

Fachtag zur Stärkung der beruflichen Orientierung an Haupt- und Werkrealschulen

Das Kultusministerium will die berufliche Orientierung an Haupt- und Werkrealschulen stärken und hat hierfür einen neuen Leitfaden erarbeitet, der die Schulen dabei unterstützt. Mehr Schulabgänger sollen nach dem Schulabschluss direkt in die Berufsausbildung starten. Der Fokus dabei liegt auf der Vermittlung der Basiskompetenzen und der Schärfung des beruflichen Profils, erklärte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann.

Bei dem am 10. Dezember 2018 in Stuttgart stattgefundenen Fachtag zur Stärkung der beruflichen Orientierung an Haupt- und Werkrealschulen hat Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann einen neuen Leitfaden zur beruflichen Orientierung vorgestellt. „Nur 17,1 Prozent der Schulabgänger von Haupt- und Werkrealschulen gelingt der direkte Start in eine Berufsausbildung. Diese Zahl müssen wir dringend steigern, um den Fachkräftenachwuchs von morgen zu sichern. Dafür werden wir die berufliche Orientierung an den Haupt- und Werkrealschulen verbessern und einen Fokus auf die Vermittlung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen legen“, sagte die Kultusministerin. An dem Fachtag im Haus der Wirtschaft in Stuttgart waren rund 180 Vertreterinnen und Vertreter unter anderem der Schulpraxis, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Verbände beteiligt. In vier Foren kam das Kultusministerium mit diesem Fachpublikum ins Gespräch, um neue Impulse für die berufliche Orientierung und zur Stärkung der Vermittlung von Basiskompetenzen an den Haupt- und Werkrealschulen zu gewinnen. Diese sollen den vorgestellten Leitfaden zur beruflichen Orientierung ergänzen.

Der Leitfaden „Berufliche Orientierung an der Hauptschule / Werkrealschule“ hat zum Ziel, Schulen bei der Ausarbeitung eines eigenen Konzepts zur beruflichen Orientierung zu unterstützen. Außerdem soll das an verschiedenen Schulen über viele Jahre aufgebaute Know-how durch den Leitfaden abgesichert und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess angestoßen werden. Der Leitfaden ist dabei so angelegt, dass er durch die Erweiterung um gelungene Praxisbeispiele wachsen soll. „Unsere Haupt- und Werkrealschulen haben hervorragende Konzepte zur beruflichen Orientierung und zur Zusammenarbeit mit Unternehmen entwickelt. Ich möchte, dass alle Haupt- und Werkrealschulen von diesen Best-Practice-Beispielen profitieren. Deswegen geben wir mit dem Leitfaden den Startschuss für eine permanente Weiterentwicklung der beruflichen Orientierung an den Haupt- und Werkrealschulen und schärfen damit das Profil der Schulart“, so die Kultusministerin. Um den Leitfaden für alle Schulen zugänglich zu machen und ihn erweitern zu können, wird der Leitfaden in einer digitalen Version auf der Homepage des Kultusministeriums verfügbar sein. In Form von regionalen Veranstaltungen, die dem Erfahrungsaustausch der Haupt- und Werkrealschulen zur beruflichen Orientierung dienen, wird dieses wichtige Thema außerdem in die Fläche gebracht.

Maßnahmen zur beruflichen Orientierung an Haupt- und Werkrealschulen

Um die berufliche Orientierung an den Schulen zu verstetigen, hat das Kultusministerium das Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung in den Bildungsplan 2016 aufgenommen sowie die Leitperspektive „Berufliche Orientierung“ darin verankert. Zudem gibt es seit dem Schuljahr 2017/18 an allen weiterführenden Schulen einen Tag der beruflichen Orientierung. Mit der Erprobung des Projekts „KooBO Praxistage“ geht das Kultusministerium nun einen weiteren Schritt, um das berufliche Profil der Haupt- und Werkrealschulen zu schärfen. „Das Projekt ist mir nicht nur deshalb wichtig, weil Schülerinnen und Schüler praktische Erfahrungen machen können, sondern auch weil den Schülerinnen und Schülern durch die Anwendung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen in der beruflichen Praxis die Bedeutung dieser Kompetenzen für den beruflichen Alltag klar wird“, so Dr. Susanne Eisenmann.

Das Projekt „KooBO Praxistage“ basiert auf Erfahrungen der „Werkstatttage“ im vergangenen Schuljahr. An diesen haben sich im zurückliegenden Schuljahr sechs Berufsschulen sowie zehn Haupt- und Werkrealschulen beteiligt. Das neue Projekt bietet Schülerinnen und Schülern der 8. Klasse der Haupt- und Werkrealschulen die Möglichkeit, verschiedene Berufe durch die Arbeit in Werkstätten der beruflichen Schulen kennenzulernen. „Verschiedenste Berufsbilder können so ganz praktisch im Schulalltag ausprobiert werden. Das ist genau das, was wir wollen: Den Schülern möglichst viele praktische Erfahrungen ermöglichen, damit sie die Relevanz schulischer Lerninhalte für die Praxis erfahren und fit für eine fundierte Berufswahl werden“, so die Kultusministerin. Da die bisherigen Rückmeldungen von Schülern und Lehrern zu den Werkstatttagen sehr ermutigend seien, gehe man nun den nächsten Schritt, so Dr. Susanne Eisenmann. Die Schulen, die am Projekt Werkstatttage teilgenommen haben, nehmen auch am Projekt „KooBO Praxistage“ teil, zudem kommen die Standorte Mosbach und Schramberg neu hinzu.

„Ich nehme ebenfalls wahr, dass das pädagogische Angebot der Haupt- und Werkrealschulen insbesondere für die Schüler förderlich ist, die eine praktische Begabung haben und mit lebensnahen Aufgaben besser zurechtkommen. Die Haupt- und Werkrealschulen werden deshalb weiterhin gebraucht, um gerade diese Schüler gezielt zu fördern“, sagte die Kultusministerin. Die aktuell bestehende Regelung, ein Verfahren zur regionalen Schulentwicklung folgen zu lassen, wenn die fünften Klassen einer Schule in zwei aufeinanderfolgenden Jahren weniger als 16 Schülerinnen und Schüler umfassen, soll auf den Prüfstand gestellt werden. „In der Spitze sind in den zurückliegenden Jahren bis zu 45 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach Klasse 5 an die Haupt- und Werkrealschulen gewechselt. Das war für mich Anlass, das derzeitige Vorgehen zu hinterfragen und den Auftrag ins Haus zu geben, ein alternatives Messverfahren zu entwickeln“, so die Kultusministerin.

Weitere Informationen:

Das Projekt „KooBO Praxistage: Hauptschule/Werkrealschule trifft Berufsschule“ basiert auf den Erfahrungen des Projekts „Werkstatttage“ im vorigen Schuljahr und wird durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) mit 120.000 Euro gefördert. Insgesamt sind neun Berufsschulen und vierzehn Haupt- und Werkrealschulen beteiligt. Folgende Berufsschulen sowie Haupt- und Werkrealschulen nehmen an dem Projekt „KooBO Praxistage“ teil: 

Berufsschulen

Regierungsbezirk

Schule

Stuttgart

Gewerbliche Schule Bad Mergentheim

Stuttgart

Gewerbliche Schule Künzelsau

Stuttgart

Karoline-Breitinger-Schule Künzelsau

Tübingen

Karl-Arnold-Schule Biberach

Karlsruhe

Rolf-Benz-Schule Nagold

Karlsruhe

Augusta-Bender-Schule Mosbach

Karlsruhe

Gewerbeschule Mosbach

Freiburg

Hans-Thoma-Schule Titisee-Neustadt

Freiburg

Berufliche Schulen Schramberg

 

Haupt- und Werkrealschulen

Regierungsbezirk

Schule

Stuttgart

Georg-Wagner-Schule Künzelsau

Stuttgart

Bildungszentrum Niedernhall

Stuttgart

Grund- und Werkrealschule Creglingen

Stuttgart

Grund- und Werkrealschule Schrozberg

Tübingen

Umlachtalschule Ummendorf

Tübingen

Werkrealschule Bad Wurzach

Tübingen

Drümmelbergschule Bad Schussenried

Karlsruhe

Burgschule Haiterbach

Karlsruhe

Hohenbergschule Altensteig

Karlsruhe

Lohrtalschule Mosbach

Karlsruhe

Schefflenztalschule Grund- und Werkrealschule

Freiburg

Grund- und Werkrealschule Aichhalden

Freiburg

Grund- und Werkrealschule Sulgen

Freiburg

Schulverbund Löffingen Werkreal- und Realschule

Präsentationen der Veranstaltung

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