Grundschule

Schulanfang


Der Schulanfang ist ein Familienereignis: Für alle Familienmitglieder beginnt eine neue Lebensphase. Hoffnungen und Erwartungen, aber auch Sorge und Wehmut begleiten den ersten Schultag. Optimale Startbedingungen für das Kind beim Schulbeginn zu schaffen, dazu sind alle Verantwortlichen verpflichtet, weil dies eine sensible Zeit in der kindlichen Biografie ist.

Sollen Kinder ab fünf Jahren in die Schule gehen?

Ob ein Kind "schulreif" oder besser "schulfähig" ist, hängt aber nicht allein vom Entwicklungsstand des Kindes und seinen geistigen und sozialen Fähigkeiten ab, sondern ebenso von der Schule. Wenn die Schule auf die Entwicklungslage des einzelnen Kindes eingeht und die individuell nötige Zeit zum Lernen und persönlichen Entfalten gibt, dann können durchaus auch Fünfjährige eingeschult werden.

Drei Fragen sind es, die mit dem Schulanfang bildungspolitisch verbunden sind:

  • die Frage nach dem individuell richtigen Einschulungszeitpunkt;
  • die Frage nach der pädagogischen und didaktisch-methodischen Weiterentwicklung des Unterrichts und
  • die Frage nach strukturellen Änderungen und Flexibilisierungen.

Über zwanzig Jahre lang wurde jedes zehnte schulpflichtige Kind nicht eingeschult.

Die Diskussionen um das relativ hohe Einschulungsalter sowie die langen Schul- und Ausbildungszeiten, die Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarn hat, veranlasste die Kultusministerkonferenz im Oktober 1997, eine Lockerung der Stichtagsregelung zu empfehlen. Die Länder können nun eine Stichtagsverlegung vornehmen oder auch einen zweiten Stichtag einführen. Baden-Württemberg hat dies sofort verwirklicht. Damit wird dem Kind kein Stück Kindheit geraubt, im Gegenteil: Es wurde damit auf die Unterschiedlichkeit der heutigen Kinder, auf die Unterschiede im Entwicklungsstand und in den Lernvoraussetzungen, auf die Verschiedenheit der Lebenslagen und kulturell-ethnischen Lebensweisen reagiert.

Das baden-württembergische Schulgesetz lässt bereits seit dreißig Jahren eine Einschulung noch nicht schulpflichtiger Kinder – ohne Altersbegrenzung – zu. Um noch mehr Flexibilität zu erreichen, wurden 1997 in Baden-Württemberg das Schulgesetz und 1998 die Grundschulversetzungsordnung geändert:

  • die Antragsstellung für eine vorzeitige Einschulung wurde erleichtert;
  • es besteht die Möglichkeit der Direkteinschulung in Klasse 2;
  • das Überspringen einer Klasse wird flexibel gehandhabt.

Stichtagsverlegung

Das baden-württembergische Kabinett hat am 23. Juli 2002 und am 8. April 2003 eine weitergehende Stichtagsflexibilisierung beraten und beschlossen. Das Parlament hat den Beschluss gefasst, den Stichtag vom 30. Juni auf den 30. September zu verlegen. Eine weitere Stichtagsverlegung ist derzeit nicht geplant.

Stichtagsflexibilisierung

Ab dem Schuljahr 2005/2006 erfolgte eine Erweiterung der Stichtagsflexibilisierung auf das gesamte sechste Lebensjahr (vom 1. Oktober bis 30. Juni). In diesem Zeitkorridor können die Eltern die Schulpflicht selbst auslösen. Über die Einschulung entscheiden die Schulleiterinnen und Schulleiter.

In den Schulen und in der Elternschaft ist ein Umdenkungsprozess in Gang gekommen, sodass eine späte Einschulung nicht mehr von vornherein als positiver Start einer Schulkarriere angesehen wird.

Kinder heute unterscheiden sich in ihren Lebenslagen erheblich stärker als früher. Der Schuleintritt ist eine sensible Angelegenheit, deshalb muss die Frage nach dem richtigen Einschulungszeitpunkt gemeinsam mit denen beantwortet werden, die mit dem Kind zu tun haben. Letztlich kommt es aber darauf an, wie die Schule den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird. Eine flexible Einschulungspraxis, verbunden mit einem optimierten Anfangsunterricht, ist eine wichtige Voraussetzung dafür und ein zentrales Element einer zukunftsfähigen Grundschule.

Einschulung ab fünf Jahren: Ja, wenn die Voraussetzungen beim einzelnen Kind gegeben sind und die Schule sich darauf einstellt.

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